Ich bin ja ein großer Freund der Filme der Coen-Brüder.
„The Big Lebowski“ ist unter den Top5 meiner Lieblingsfilme und auch „Fargo“ und „Oh brother where art thou“ sind Meisterwerke des Abstrusen, die man als Freund des besonderen Kinos gesehen haben sollte. So gesehen freute ich mich riesig auf den neuen Coen und gestern Abend habe ich ihn mir dann angeschaut.
Der Plot:
Linda Litzke (Frances McDormand) ist knapp jenseits der 40 und Trainerin im Studio der Fitnesskette „Hardbodies“. Sie ist besessen von dem Gedanken, ihrem Leben mit einigen Schönheitsoperationen einen neuen Sinn zu geben und größere Erfolge auf einer Dating-Seite im Internet zu feiern. Allein, ihr fehlt es an Geld, um die Empfehlungen ihres Schönheitschirurgen umzusetzen. Als dann ihr Kollege Chad (Brat Pitt) im Umkleideraum eine CD mit Dateien findet, die er für wichtige Geheimdienstdokumente hält, kommt eine Story voll Verwirrungen und undurchsichtigen Verwicklungen in Gang. Tatsächlich befinden sich auf der CD nur die Memoiren und Kontodaten des Geheimdienstlers Cox (der großartige John Malkovich), der aufgrund von Alkoholproblemen gefeuert wurde und sich nun ein neues Standbein sucht, während seine dominante Frau eine Affäre mit dem sexsüchtigen Harry Pfarrer (George Clooney) führt und (auch mit Hilfe der CD) eine Scheidung zu ihrem finanziellen Vorteil vorbereiten will…
Ein herrlicher Film, in dem die Starbesetzungen ihre überzeichneten Rollen am Rande des Overacting spielen. Man erkennt einige Parallelen und Sidekicks zu vorangegangenen Coen-Filmen, insbesondere zu „The Big Lebowski“. Als Beispiel sind hier völlig schief laufende Geldübergaben und die totale Überforderung der beteiligten Akteure genannt.
Tatsächlich geht es in dem Film eigentlich um nichts. Und das bereitet nicht nur den Geheimdienstlern und den russischen Botschaftern, die im Laufe des Films involviert werden, einiges an Kopfzerbrechen. Genau aus diesem Umstand ziehen die Handlungsstränge ihre Kraft und nur deswegen spitzt sich die Handlung immer mehr zu einer Farce zu, an dessen Ende es auch rohe Gewalt und einige Tote gibt. Zum Schluss erlebt man dann einen ratlosen CIA-Chef mit sehr komischen abschließenden Worten. Das alles ist, nach einem etwas zähen Start, sehr kurzweilig und spaßig anzuschauen.
Will man dem Film dann doch ein Thema und eine Aussage abgewinnen, kann man alles auf den gemeinsamen Nenner „Dummheit und Jugendwahn“ bringen. Da ist neben der OP-Besessenen Linda der strunzendumme Chad. Er trägt permanent Fitnesskleidung, seinen Ipod an den Oberarm geschnallt mit sich rum und trinkt Gatorade… andere Getränke verschmäht er. Er arbeitet praktisch ganztags an seiner Fitness und aus diesem Grund fährt er z.B. auch mit dem Fahrrad zur Geldübergabe. Dort verliert er die Fassung und damit seine Tarnung in Form einer beknackten Erpresserstimme und eines Anzuges, als sein Fahrrad vom Erpressten für ein offenbar billiges Modell gehalten wird. Ansonsten sieht man ihm in unerwarteten Situationen förmlich an, wie er seine grauen Zellen zum Denken zusammenkratzen muss … meist jedoch ohne brauchbares Ergebnis. Harry Pfarrer lässt sich regelmäßig von seiner Frau irgendwo aussetzen („es müssen mindestens 5 km sein. 5,2 sind ok.“) um nach Hause zu joggen und auch seine zahlreichen Seitensprünge werden mit einem ausgedehnten Jogginglauf beendet. Praktisch alle Charaktere sind überzeichnete Stereotypen, wie man sie teilweise selbst kennt. Sie alle leben ein mehr oder weniger aufdiktiertes Leben, ohne dieses und ihr Verhalten zu hinterfragen.
So gesehen bietet der Film doch so einigen Stoff zum Nachdenken, wenn man das will. Muss man aber nicht. Man kann sich auch einfach nur gut unterhalten lassen.
Am Anfang braucht man ein wenig Geduld, bis man in der Story und den Charakteren drin ist und „Burn after reading“ ist bestimmt nicht der beste Coen-Film. Gesehen haben sollte man ihn trotzdem.
Link: Burn after Reading – der Film
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