Gran Torino (2008) im Sommerkino

Gran Torino erzählt die Geschichte von Walt Kowalski, einem verbitterten weißen alten Amerikaner, der in einer Vorstadt von Detroit lebt. Er hat im Koreakrieg schlimme Sachen erlebt und danach über 40 Jahre lang bei Ford am Fließband gearbeitet.
Mit dem Zusammenbruch der Autoindustrie in den USA verwaisen die heilen amerikanischen Vorstädte und werden zunehmend von den asiatischstämmigen Hmong bewohnt. Die Hauptfigur des Films bleibt hauptsächlich aus verbohrter Prinzipientreue trotzdem weiterhin wohnen. Walt Kowalski ist ein Rassist und Hardliner, der alles hasst, was nicht traditionell-amerikanisch ist, vor allem das, was aus dem Ausland kommt. Die Beziehung zu seiner eigenen Familie ist mies und der Tod seiner Frau, mit dem die Geschichte beginnt, macht ihn zunächst nur noch verbitterter und einsamer. Dann führen ihn einige Zu- und Zwischenfälle in das Leben und die Realität seiner asiatischen Nachbarfamilie ein, die er bislang nur verabscheute und missachtete.

Gran Torino ist zunächst erst einmal das gesellschaftliche Porträt eines derzeit noch nicht abgeschlossenen Zeitabschnitts der amerikanischen Geschichte. Die Wirtschaftskrise am Beispiel des Untergangs der Autoindustrie und die damit einhergehenden sozialen Umbrüche in den betroffenen Städten werden, grob gesprochen, thematisiert. Clint Eastwood erzählt hier einmal mehr eine geschickt aufgebaute, dramatisch-(zwischen)menschliche Geschichte, die trotz vieler voraussehbarer Momente zu keinem Zeitpunkt langweilig wird.
Natürlich freundet sich Kowalski mit den Nachbarn an, natürlich bedienen die Straßengangs des Viertels alle Klischeevorstellungen, die man davon hat und natürlich kommt auch der typisch amerikanische Pathos nicht zu kurz, vor allem im großen Finale des Films. Trotzdem wirkt Clint Eastwood in seiner Rolle als mies gelaunter, fremdenfeindliche Sprüche und Schimpfworte spuckender Amerikaner, der nicht davor zurückschreckt, für die Verteidigung seines Vorgartens eine Waffe in die Hand zu nehmen, dann doch authentisch und glaubhaft. Auch die persönliche Entwicklung, die er im Film durchmacht, sowohl menschlich als auch in seinem Verhältnis zu Gewalt als Allheilmittel, nimmt man ihm letzten Endes irgendwie ab, obgleich einige Restzweifel bleiben.
Vor allem die Tatsache, dass sich die beiden fremden Welten zwar näher kommen, im Kern auch irgendwo ähnlich sind, aber aus verschiedenen Gründen nie vollständig zueinander finden, wird gut herausgearbeitet. Typisch für Eastwoods Spätwerk, wird hier anhand der Lebensepisode einiger weniger Personen eine Geschichte erzählt, die sich letztendlich auf die gesamte amerikanische Gesellschaft übertragen ließe. Das Ende des Films ist dann auch nicht nur das fiktive Schicksal einer filmischen Figur, sondern kann als Symbolbild für eine ganze Generation herhalten.

Der Film ist sehr gut gespielt und aufgebaut. Einige Szenen wirken ein wenig unpassend, so als wären sie aus dramaturgischen Gründen nachträglich in den Film gespielt und geschnitten, doch ansonsten passt alles rundum gut zusammen. Bilder, Musikauswahl, Schauspiel und Geschichte ergeben einen stimmigen Film, den ich gerne empfehlen möchte.
Zu einem Meilenstein der Filmgeschichte reicht es zwar nicht ganz, doch als cineastisches Zeitzeugnis einer Umbruchsphase in den USA könnte der Film in der Zukunft durchaus einmal eine gute Wahl sein.
Außerdem hoffe ich, dass Clint Eastwood noch genug Lebensjahre bleiben, um seinem Spätwerk noch einige weitere solche Filme beizusteuern. Spätestens seit Million Dollar Baby war jeder seiner Filme sehenswert.




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