Highfield 2009 – Rückblick und Fotos und Videos
Da hatten wir uns aufgerafft, das letzte Highfield-Festival auf thüringischem Boden anzuschauen. Wir fuhren Freitag recht zeitig hin, kamen gegen 11.00 Uhr an und merkten, dass das zu spät ist. Offensichtlich gibt es kein Festival mehr, an welchem man erst am Tag des Beginns anreisen kann, wenn man auf gute Bedingungen wert legt. Wir bekamen einen Parkplatz am Ende der Welt zugewiesen und machten uns, nachdem die Bändchen angezogen waren, auf die schwierige Suche nach einem Nachtlager.
Der Zeltplatz war schon aussichtslos voll, andererseits hatten wir in diesem Jahr auch nur drei Zelte unterzubringen. Wir fanden Orte, die nicht grundlos weiträumig von anderen Zelten gemieden wurden, gaben schließlich auf und gerieten an eine verkehrsgünstig gelegene Nische direkt am Wegesrand. Das die Nachbarn aus Montabaur sogar recht nett waren, zeigte sich dann später. Drei halbe Tagesmärsche später war alles Utensil und aller Proviant vor Ort gebracht. Die Stimmung auf dem Platz war Freitagmittag schon so, wie wir sie Sonntag im letzten Jahr verlassen hatten. Nachdem der Grill eingeweiht und alle begrüßt waren, ging’s vor zur Bühne.
Mein Highfield begann mit Wilco und das war gar nicht schlecht, so zum Einstieg. Doch gleich darauf im Zelt traf ich auf Shantel und das Bucovina Club Orkestar. Das war großartig. Zweite Band und gleich eine Neuentdeckung. Speedpolka meets Ska und osteuropäische Waisen. Das komplette Zelt tobt und für mich gehört diese Band mindestens unter die Top 3 in diesem Jahr. Das soll zum einen erstmal ein Lob für die Band selbst sein, zum andern aber auch zu
denken geben, denn auf der großen Bühne gab es in diesem Jahr wirklich nicht viel schönes zu sehen. So Radiogejammer wie Clueso zum Beispiel könnte das Highfield seinen Ruf als gut besetztes Alternative-Festival kosten.
Danach kamen Maximo Park, die ihre Sache dank ihres leicht irren Frontmannes ganz ordentlich machten, was auch das Publikum honorierte. Headliner des Abends waren die Arctic Monkeys und die fand ich doch sehr schön, obgleich weitgehend auf bekannte Titel verzichtet wurde und man Sachen aus dem neuen Album testete. Damit war der Abend zu Ende und unsere Ü30-Pärchen-Reisegesellschaft hatte auch erst einmal genug Aufregung für einen Tag.
Am Samstag warf ich nach mehrstündigem Frühstück am Nachmittag mal einen Blick auf Spinnerette. War gespannt, schließlich versammeln sich in der Kompo einige recht namhafte Musiker anderer geschätzter Bands. Brody Dalle, die Ex der Distillers wirkt furchtbar gelangweilt diesen Nachmittag, hat aber nichts an Ausstrahlung verloren. Der Rest der Band macht solides Handwerk, konnten sie doch lange genug in Bands wie den Eagles of Death Metal oder den Red hot Chili Peppers üben. So richtig vom Hocker gerissen hat es mich trotzdem nicht. Das sah beim nächsten Act schon anders aus. Panteon Rococo rockte den voller werdenden Platz. Energie aus Mexico und wieder mal ein Beweis, dass Ska immer funktioniert, egal wo er gespielt wird. Tomte nutze ich für ein Abendbrot und kam für die letzten 20 Minuten von Vampire Weekend zurück. Konnte sich hören lassen und aufgrund des Bandnamens hatte ich eigentlich stilistisch mit etwas schlimmeren gerechnet, als dann tatsächlich kam.
Farin Urlaub und seine Frauen machten weiter und auch das ist ja eine Nummer, die immer funktioniert. Außerdem war es das erste Mal so richtig dolle voll und man bekam mit schlechten Stehplätzen zu spüren, dass das Festival doch tatsächlich wieder ausverkauft werden konnte. Die Stimmung war angeheizt und The Offspring hatten wahrscheinlich einen der großartigsten Auftritte der letzten Jahre, gemessen an der Publikumsbeteiligung. Ich selber bleibe dabei.. ich kann die Stimme auf Dauer nicht ertragen. Auf Faith No More, die Band, wegen der ich hauptsächlich gekommen war, musste ich leider verzichten.
Der Sonntag ging dann mit Selig los und das ist so ne Sache. In den 90ern konnte ich die irgendwie nicht leiden, kannte sie aber auch nur von CD. Dort sah ich dann älter gewordene Herrschaften, denen man anmerkte, dass sie ihre Reunion kein Stück bereut hatten. Die hatten Freude und bei ihrem Klassiker „Ohne dich“ hatte sogar ich Gänsehaut .. nachmittags um drei. Wir ließen AFI aus und kamen zu Apocalyptica zurück. Gefiel mir, doch irgendwie sind mir Skandinavier manchmal ein wenig suspekt. Man merkt denen immer irgendwie an, dass dort nicht so oft die Sonne scheint. Freu mich trotzdem, dass ich die nun auch mal live gesehen habe.
Im Prinzip kann man damit auch sagen, dass das Geschehen auf der Hauptbühne mit diesem Auftritt vorbei war. Deftones und Rise Against, die danach kamen, fand ich grottenschlecht. Das ist absolut nicht mein Ding. Das ist mir zu uninnovativ und zu uninspiriert. Nicht wirklich schön. Ich verzog mich deswegen ins Cola-Zelt, wo ich Blitzen Trapper sah, die zwar schöne Musik machten, aber dabei auch guckten und agierten wie angeschossene Rehe. Ehrliche amerikanische alternative Folk-Musik wurde geboten. Hab ich viel lieber gehört, als das, was da aus Richtung Mainstage immer mal reinschwappte.
Die ersten Minuten der Toten Hosen ließ ich für Patrick Wolf, ebenfalls im Zelt, sausen. Der Mann ist ja schon eine skurile und auch etwas schlierige Erscheinung, doch die Musik selbst fand ich echt, experimentell und gut.
Wir sind dann doch raus zu den Toten Hosen, was für mich persönlich ein Fehler war. Man hat das ganze Wochenende jede Menge Hosen-Shirts gesehen, man hat aus vielen Pavillons deren Musik gehört und sie standen auch ganz oben auf dem offiziellen Festival-T-Shirt. So war klar, dass es bei deren Auftritt vor der Bühne am vollsten war und das die meisten Leute, die dort standen, richtig viel Spaß hatten, aber ich selber hab es gehasst. Das war echt prollige, billige Zuschaueranimation, hingegrölt und irgendwie zu sehr 80er-Jahre. Mit der Musik selbst konnte ich auch noch nie so recht was anfangen und die Live-Stimme, die klingt wie der böse Wolf mit Bronchitis, hat daran auch nichts geändert.
Ich will diese Band nie wieder live sehen (müssen).
Später saßen wir noch vor unseren Zelten und sahen uns das alte Highfield-Katz-und-Maus-Spiel: „Festivalbesucher legt Feuer, Security löscht Feuer“ an.
Und jetzt, wo ich noch mal so über den bisherigen Text lese, könnte man den Eindruck gewinnen, es war alles total schlecht in diesem Jahr. Aber das war es nicht. Die Musikauswahl kam mir persönlich wahrscheinlich nur nicht ganz so entgegen, wie gewohnt.
Ansonsten kann man sagen: Wetter war gut, Stimmung dufte, viel Spaß jehabt und viel gelacht und wenn die Gerüchte stimmen, dass das Highfield in die Nähe von Leipzig zieht, bin ich 2010 auch noch einmal dabei. Wenn ein Festival aus der näheren Nachbarschaft in den eigenen Vorgarten zieht, gehört sich das so. Der Laden soll ja gleichzeitig bis zu 10.000 Leute größer werden und man muss doch mal gucken, ob man das dann noch schön findet.
Ich geh jetzt erst mal schlafen. Ich glaube, ich werde langsam zu alt für den Quatsch…
Shantel und Bucovina Club Orkestar
Panteon Rococo
Apocalyptica
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