Inglourious Basterds

… habe ich mir vorgestern im Kino angeschaut.
Ein typischer Tarantino. Es gibt extra fiese, geistesgestörte Charaktere, eine intelligente, witzige und irgendwie coole Story, eine Szene mit einem nackten Damenfuß und (natürlich) sehr plastische Darstellung von Gewalt. Das alles wird getragen von ellenlangen Dialogen, bei denen man oft erst Minuten später oder gar nach dem Kinobesuch merkt, wie genial die jetzt eigentlich waren. Ich bin mir sicher, beim zweiten oder dritten Mal schauen, wenn man das große Ganze schon kennt, wird man in den vielen kleinen Einzelheiten des Films jedes Mal Neues entdecken und sich drüber amüsieren können.

inglourious-basterds-04Wie man weiß, ist das besondere am neusten Werk von Tarantino, das es in ihm nur so von deutschen bzw. deutschsprachigen Schauspielern wimmelt. Und die machen ihre Sache überwiegend sehr gut. Besonders Christoph Waltz der als der „Judenjäger“ Hans Landa eine der Hauptrollen besetzt, fiel mir positiv auf. Seine Sache als sehr charmanter und redegewandter, aber ebenso skrupelloser Kopfgeldjäger der SS macht er ausgezeichnet. Daniel Brühl gefiel mir ebenfalls. Er spielt einen einfachen jungen Soldaten, der zum Kriegshelden wurde und dessen Geschichte Göbbels als Propaganda verfilmen lässt. Mit dieser Rolle konnte er sich sicherlich für höhere Aufgaben empfehlen. Leonardo Di Caprio, der anfänglich für diese Rolle vorgesehen war, wäre nicht unbedingt die bessere Wahl gewesen.

Ganz anders sieht das dann schon bei den eigentlich „großen“ deutschen Schauspielern basterdsnew2mit Hollywood-Erfahrung aus. Da hätten wir Til Schweiger, im Film Mitglied der „Inglorious Basterds“. Was sein mimisches Spektrum betrifft, scheint er sein Handwerk bei einem Braunbären erlernt zu haben. Er war zum Glück nicht oft in Nahaufnahmen zu sehen. Ebenfalls schon seit längerem ein rotes Tuch für mich ist Diane Krüger. Dadurch, dass sie in „TROJA“ die deutsche Synchronisation ihrer Figur selbst übernommen hat, hat sie mir den ganzen Film versaut. Auch in „Inglourious Basterds“, wo sie eine berühmte deutsche Schauspielerin spielt, die als Agentin für England arbeitet, fand ich ihre schauspielerischen Fähigkeiten sehr beschränkt. Hinzu kommen diese kurzen Kleinemädchenzähne und diese gelangweilte, leicht nölige Tussistimme. Hat was mit fehlender Sympathie zu tun. Kann ich nicht gut finden. Kann sie vielleicht nichts dafür.

inglourious_basterds01Inglourious Basterds ist im Endeffekt ein Märchen, eine Fantasiegeschichte, die leicht comichafte Züge trägt. Historische Tatsachen spielen insbesondere dort keine große Rolle, wo es der Geschichte dient. In den kleinen Details, also dort, wo sie in diesem Film besonders wichtig sind, achtet Tarantino aber sehr genau auf geschichtliche Echtheit. Tarantino spart nicht mit Querverweisen und Liebeserklärungen an den deutschen Film aus seiner großen Zeit zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts. Der Film kommt erfreulicherweise völlig ohne Pathos und Wertungen aus. Es war von ihm sicher auch nicht beabsichtigt, einen Antikriegsfilm zu drehen, der das Bild vom bösen Deutschen festigt. Tatsächlich hat er einfach eine gute, für ihn typische Story verfilmt, die quasi nebenher vermittelt, dass es auf jeden Menschen einzeln ankommt. Interpretieren kann den Film jeder für sich selbst oder es bleiben lassen. Sehenswert ist er auf alle Fälle.

Tarantino wird auch weiterhin für mich einer der letzten aktiven Regisseure bleiben, bei dem ich mir schon vor dem Kinobesuch sicher bin, dass ich einen guten Film sehen werde.




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