Joel & Ethan Coen sind großartige Filmemacher. Ihre Filme stehen bei mir für Qualität und Originalität. Mit Filmen wie “Fargo”, “The Big Lebowski”, “Oh Brother Where Art Thou`?” und “Burn after Reading” machten sie sich bei Freunden des schrägen Humors und ausgefallenen Kinos einen Namen. Zuletzt fanden sie mit “Burn after Reading” erfolgreich zu ihren Wurzeln zurück. Für “No Country for old man” erhielten die Brüder erstmals den Oskar. Umso erstaunter war ich, dass der neue Film “A Serious Man” im Umkreis von 50 km nur in den Passagen-Kinos in Leipzig zu sehen war.
Jetzt, wo ich den Film gesehen habe, kann ich aber ein bißchen verstehen, warum. “A Serious Man” ist schon ein sehr spezieller Film und selbst für Coen-Verhältnisse sehr eigen und skurril.
Der Film reißt ein paar Tage im Leben eines jüdischen Mathematikprofessors namens Larry Gropnik völlig aus dem Zusammenhang und zeigt mit einer guten Prise schwarzem Humor, was ihm und seiner Familie während der Zeit so passiert. Es geht, wie so oft in den Filmen der Coens, um die großen Absurditäten des Lebens und den tieferen Sinn der menschlichen Existenz. Diesmal ist die Handlung inmitten einer jüdischen Gemeinde der 60er-Jahre im Mittleren Westen der USA. Hierzu muss man wissen, dass die beiden Regisseure ebenfalls inmitten einer jüdischen Nachbarschaft aufwuchsen.
Das beschauliche Leben des Hauptdarstellers gerät durcheinander, als seine Frau ihm aus heiterem Himmel eröffnet, dass sie sich scheiden lassen will. Die Lage spitzt sich für Gropnik (auch typisch Coen) bis zur Unerträglichkeit hin zu und das, obwohl er bislang ein ehrliches, biederes, religionskonformes Leben führte. Es versucht ihn ein koreanischer Student zu bestechen (sehr lustig), sein rassistischer Nachbar klaut ihm erst einen Teil seines Grundstücks und treibt ihn schließlich in Albträume, dann gerät seine Verbeamtung in Gefahr und irgendwann landet er mit seinem verwirrten Bruder in einem schäbigen Motelzimmer.
Als die Bar Mizwa seines dauerbekifften Sohnes ansteht, scheint sich alles zu wandeln und dann folgt ein Ende, dass bei vielen Zuschauern eine Menge Fragezeichen hinterlassen dürfte.
“A Serious Man” ist ein Coen-Film von der allerfeinsten Sorte. Absurde Dialoge und schwarzer Humor werden hier mit der Trostlosigkeit von menschlicher Existenz in schönen Bildern vermixt und auch noch in einen religiösen Zusammenhang gebracht.
“Hat unser Handeln Auswirkungen auf den Verlauf unseres Lebens?”, ist einer der ganz dünnen roten Fäden, den man der Handlung entnehmen könnte und der ewige Konflikt zwischen Gefühl und Verstand ist, gemessen an der Einleitung, ein zweiter.
Fans, die “The Big Lebowski” und “Burn After Reading” lustig fanden, werden den Film lieben, viele andere Besucher werden ihn sicher ziemlich ratlos verlassen.
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