„Helge Schneider“, Gewandhaus Leipzig (01.03.2010) – Bericht und Fotos

„Helge Schneider“, Gewandhaus Leipzig (01.03.2010) – Bericht und Fotos

Da hatten wir ja noch mal Glück, dass ich mich vor ungefähr zwei Wochen an die „Helge-Schneider“-Karten erinnert habe, die schon seit ungefähr einem halben Jahr an meiner Pinnwand hingen. So landeten wir gestern mit Freunden doch noch beim Leipziger Gastspiel der aktuellen Tournee mit dem Namen „Komm hier haste ne Mark!“ (Untertitel: Neues vom popowackelndem Kakadu der deutschen Popmusik).
Es war mein allererstes „Helge Schneider“-Konzert und das, obwohl ich schon lange Fan bin. Ich war sehr gespannt.

Wie nicht anders zu erwarten, konnte man vom Titel absolut nicht auf den Inhalt der Konzerte schließen. Helge Schneider wählt seine Tourneetitel nach eigener Aussage „aus rein phonetischen Gründen“. Wer also kritische Worte hinsichtlich der Finanzkrise im Speziellen oder Kapitalismuskritik im Allgemeinen erwartet, wird sicher enttäuscht werden.

[Exkurs: Am 31.12.2009 starb Charly Weiß nach langer Krankheit. Diesen verband bis zuletzt eine langjährige, enge Freundschaft mit Helge Schneider. Er spielte z.B. im Film „Texas“ den „lieben Gott“ und tauchte auch in anderen Schneider-Filmen in skurrilen Rollen auf. Die Trauerfeier am 08.01.2010 wurde von Helge Schneider organisiert und endete im Sinne des Verstorbenen mit einer Jamsession der versammelten Düsseldorfer Untergrundszene im „Kulturschlachthof“. Weiß war Gründungsmitglied der Band „Kraftwerk“ und Überlieferungen zufolge auch für die Namensgebung der Band verantwortlich, die er jedoch schnell wieder verließ. Schon in den 70er-Jahren bildete er bei gemeinsamen Auftritten mit Helge Schneider das Duo „El Snyder & Charly McWhite“. Auch der letzte öffentliche Auftritt von Weiß fand in dieser Formation im Januar 2009 im Berliner Jazzclub „Quasimodo“ statt. Er war eine anerkannte, bekannte und geschätzte Persönlichkeit der Kulturszene des Ruhrpotts. Dieser Charly Weiss jedenfalls schrieb im Jahr 2002 ein Lied namens „Hast du keine Mark?“. Exkurs Ende.]

dsc09828 Helge Schneider liefert stattdessen seine ganz eigene Show aus Klamauk und (Jazz-)Musik. Und das ist furchtbar komisch. Schon als er das ausverkaufte Gewandhaus in Hockstellung „betritt“, hat er das Publikum auf seiner Seite. Auch lustig ist sein ruppiger Umgang mit einem Teebutler, der wie Mozart gekleidet ist (Bodo Oesterling). So gibt es viel improvisierten und musikalisch untermalten Wortwitz, der sich hier allein mit geschriebenen Worten nicht wiedergeben lässt. Es gab auch viele Grimassen, Tanz und eine neu interpretierte Version von „Fitze Fitze Fatze“, die das Publikum mit einbezog. Kurz bevor er dann seinen ausdruckstanzenden Dauerbegleiter „Sergej Gleithmann“ (Volker Bertzky) als menschliche Kanonenkugel ins Weltall schießen will, gibt er diesem noch den guten Rat „Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre musst du überall bekachelt sein!“ mit auf den Weg. Die Umsetzung des Vorhabens scheitert dann allerdings an einem leeren Feuerzeug und der anstehenden Pause, die das Zwerchfell der meisten Zuschauer auch nötig hat.

dsc09821 Nach der halbstündigen Pause tritt der Humor dann nach und nach in den Hintergrund und seine großartige Band „Die Drops“ kommt verstärkter zum Zug. Helge Schneider zeigt sich einmal mehr als sehr guter Multiintrumentalist und spielt im Lauf des Abends u.a. Saxophon, Xylophon, Klavier, Gitarre und Mundharmonika. „Die Drops“ selbst sind größtenteils alles Musiker im gehobenen Alter. Da sind zum Beispiel Drummer Pete York und Bassist Rudolf Olbrich, die mittlerweile schon zum festen Stamm seiner Band gehören. Beides Vollblutmusiker und vor allem auch als Jazzmusiker sehr anerkannt. Ergänzt wird die Band neuerdings durch Sandro Giampietro, der eine ausgezeichnete Gitarre spielte, sowie Jochen Bosak am Klavier. Jeder Musiker bekommt die Möglichkeit, in Solos zu brillieren. Vor allem Pete York ist es hier, der mit eigenen Sangeseinlagen und einem schätzungsweise 10-minütigem Schlagzeugsolo glänzt. Der Abend endet mit feinem improvisiertem Jazz und einer Zugabe, in der Helge Schneider am Klavier gleichzeitig Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer und Peter Maffay persifliert. Helge Schneider hat mit seinem Ensemble zu diesem Zeitpunkt rund zweieinhalb Stunden Konzert gemacht, die wie im Flug vergingen.

Alles in allem war es das lustigste Jazzkonzert, das ich je gesehen habe.

Gäste:
1900 (ausverkauft)

Preis:
33,30€

Links:
Helge Schneider
Gewandhaus Leipzig

Weiterführende Links:
Helge Schneider simuliert einen Mikrofonausfall
▪ DCTP.de Helge Schneider als Abrissunternehmer Borovsky im Gespräch mit Alexander Kluge (Teil 1 , 2 , 3)

Kauftipp:
„Mendy das Wusical“ als Hörspiel (Helge Schneider spricht alle Rollen selbst)

Fotos (nur sehr wenige, war faul):

Video (auch kein eigenes, aber eins von Youtube aus der aktuellen Tour):



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