Da der Hype um „Avatar“ an mir spurlos und unbesehen vorübergegangen ist, entschied ich mich gestern Abend dafür, dass Tim Burtons Version von „Alice im Wunderland“ mein erster Kinofilm in 3D sein soll. Diese abgedrehte Kindergeschichte von Lewis Carrol, die sowieso schon wirkt, als wäre sie unter dem Einfluss psychoaktiver Substanzen entstanden, in Verbindung mit Tim Burton, dem Meister des morbid-schrulligen Goth-Theaters, schien mir eine sichere Bank für gute Kino-Unterhaltung zu sein. Und zumindest teilweise ging dieser Plan auch auf.
Erst einmal war ich aber genervt von dieser klobigen 3D-Brille, die ich mir zum Genuss dieses Films aufsetzen musste. Viel zu weit waren die Gläser vom eigenen Auge entfernt, sodass man oben, unten und seitlich an den Gläsern vorbeischauen konnte. Gleichzeitig war der Rahmen der Brille so groß, dass man Teile der Leinwand nicht mehr sah. Das rechte Glas war leicht verkratzt bzw. hatte einen Fleck, der sich nicht wegwischen ließ. Da zahlt man doch gern ein paar Euro mehr.
Ich war dann aber trotzdem ziemlich angetan von der 3D-Welt, die mir da entgegen sprang, als der Film erst einmal begonnen hatte. Das war schon eine völlig neue Art, in einen Film hinein zu sehen. Besonders die kleinen Gegenstände, wie z.B. fliegende Schmetterlinge oder Blätter sah man tw. förmlich im Raum vor sich schweben. Die räumliche Tiefe lässt so einen Film insgesamt wesentlich plastischer und greifbarer wirken, obgleich mir der 3D-Effekt oft auch wirkte, als wäre er mit aller Gewalt künstlich herbeigeführt worden. Teilweise sah das aus wie eines dieser Kinderbücher, die man aufklappt und dann springen einem verschiedene Ebenen eines Bildes entgegen. Mit der Zeit stellte sich dann auch eine gewisse Gewöhnung an das “3D” ein und man wurde teilweise nur noch daran erinnert, wenn sich plötzlich etwas schnell aus der Räumlichkeit heraus auf einen zu- oder von einem wegbewegte.
Die Geschichte von Alice im Wunderland wird hier ein wenig anders erzählt, als man sie aus dem Original oder der 50er-Jahre-Disney-Referenz kennt. Hier flieht eine 19jährige Alice (Mia Wasikowska) vor dem Heiratsantrag eines unsympathischen rothaarigen Lords, verfolgt dabei einen weißen Hasen, der eine Weste trägt und fällt dabei in ein tiefes Loch in eine kunterbunte, computeranimierte 3D-Fantasiewelt namens Unterland. Im Laufe der Geschichte erfährt man, dass Alice als kleines Mädchen schon einmal hier gewesen ist und nun wieder hierher geholt wurde, um die (W)underwelt vor der abgrundtief fiesen roten Königin (die tolle Helena Bonham Carter) zu retten. Gegen diese Aufgabe wehrt sie sich aber zunächst. Während der Reise von Alice, wechselt sie mehrmals mittels Zaubertrank die Größe (was ihre Kleider jeweils jugendfrei überstehen) und trifft auf zahlreiche durchgeknallte und sehr gut inszenierte Charaktere wie zum Beispiel die Grinsekatze, einen gegenständewerfenden Hasen und den verrückten Hutmacher. Auch viele Charaktere, die bei Caroll eigentlich in der Fortsetzung “Alice hinter den Spiegeln” vorkommen, sind hier zu finden. Als Beispiele sind hier der Jabberwocky und die Zwillinge Tweedledee und Tweedledum genannt. Sie muss zahlreiche Gefahren überwinden und Aufgaben bestehen.
Die Figuren tragen alle die deutliche Handschrift von Burton, der selbst die eigentlich gute “Weiße Königin” so inszeniert, dass sie reichlich psychisch beeinträchtigt rüberkommt und dadurch auch irgendwie undefinierbar gefährlich wirkt. Der verrückte Hutmacher leidet unter einer massiven Persönlichkeitsspaltung, die von Johnny Depp großartig dargestellt wird und überhaupt sind alle Charaktere bis in die Nebenrollen hinein irgendwie sehr speziell, eigenartig und vor allem großartig besetzt.
Diese Welt voller Verrückter in Verbindung mit der großartigen Optik des Wunderlandes zu beobachten ist dann auch schon das Wesentliche, was diesen Film ausmacht. Die eigentliche Geschichte läuft zwar größtenteils unterhaltsam bis schwarzhumorig, aber ingesamt viel zu geradlinig, harmlos und überraschungsfrei vor sich hin, als dass sie eine besondere Erwähnung verdient hätte.
Fazit: Unterhaltsames Familienkino, vorausgesetzt die eigenen Kinder haben schon einigermaßen starke Nerven.
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Also ich fand den Film gut auch wenn ich mir ihn ganz anders vorgestellt habe! Ich bin aber der Meinung, dass sich 3D wirklich nicht gelohnt hat im gegensatz zu Avatar! Desweiteren war Johnny Depp einfach wieder umwerfend in seiner Rolle! :)