Kindle 4 – Erste Eindrücke / Kurztest

99,00 € für ein elektronisches Gerät, mit dem man Bücher, Zeitschriften und PDFs, kurz „Texte“ lesen kann. Sonst eigentlich nichts und das auch noch in schwarz-weiß. Ich gebe zu, es hat eine Weile gedauert, bis ich mich dazu durchringen konnte bzw. wollte. Ich habe viele Erfahrungsberichte gelesen und lange mit mir gehadert, bis es soweit war. Einen eingebildeten “Bankirrtum zu meinen Gunsten” später liegt nun aber doch ein Amazon-Paket mit dem deutschen Kindle 4 vor mir.

Die Kaufargumente, mit denen ich mich letztendlich selbst überzeugte, waren die folgenden:

1. Im Kindle-Shop liegen hunderte Werke (zumeist) klassischer Literatur kostenlos rum. Darunter Dutzende, die ich schon immer mal lesen wollte, im Deutschunterricht wegen pubertärer Macken verweigert hatte oder so lange schon nicht mehr gelesen habe, dass ein erneutes Lesen nichts schaden kann. Das geht von Sherlock Holmes über Jules Verne bis hin zu Kafka und Goethe. Ohne diese kostenlose und direkte Bezugsmöglichkeit würde ich wohl kaum jemals in einen Buchladen laufen und mir all die Sachen kaufen, womit ich auch direkt bei Punkt 2 bin:

2. Das Internet erzieht einen immer mehr dazu, Dinge sofort und ohne Aufwand haben zu können. Software und Musik kaufe ich weitgehend nicht mehr im Laden oder warte nach der Onlinebestellung 2-3 Tage auf eine CD, ich bezahle bei iTunes und Co. und lade sie mir sofort im Netz. Das soll künftig auch für Bücher gelten, wo die äußere Verpackung für mich noch weit weniger wichtig ist, als z.B. bei der Musik. Bei Büchern entsteht die Geschichte im Kopf, rein durchs Lesen. Mit einem Klick praktisch sofort an alle Bücher zu kommen, die mich interessieren, kann daher für meinen Lesekonsum nur gut sein. Und:

3. Ich lese eigentlich sehr gerne, will aber andererseits den Platz in meinen Regalen nicht an noch mehr Bücher verschwenden, als jetzt schon. In unseren schlichten Gemächern ist eine Kapazitätsgrenze erreicht und ich scheute deswegen in der Vergangenheit schon so manchen Neukauf. Ein Gerät mit halbem Gewicht und Abmessungen eines durchschnittlichen Taschenbuches, auf welches mit ca. 1.400 Büchern quasi eine komplette Dorfbibliothek passt, scheint mir da eine zeitgemäße Alternative zu sein, z.B. auch für Urlaube und Reisen.

Mit seinem 6“-Display und 170 Gramm Gewicht ist der Kindle in der Draufsicht in etwa so groß wie eine Taschenbuchseite und liegt dabei gut und „griffig“ in der Hand. Da meine Hände recht groß sind, kann ich die beidseitigen Blättertasten für Vor und Zurück sogar einhändig bedienen, was bei längeren Lesezeiten nur gut für die Arme sein kann.

Besonders gespannt war ich auf die im Netz so vielgerühmte „elektronische Tinte“, also auf das E-Ink-Display. Anders als bei Smartphones und Tablets arbeitet hier nämlich eben kein hintergrundbeleuchtetes Display, dass mit der Zeit ziemlich auf die Augen gehen kann, sondern ein spezielles e-Book-optimiertes Display, welches Texte auch bei direkter Lichteinstrahlung wie gedruckt erscheinen lassen soll.
Mit dem ersten Einschalten des Gerätes startete sich der Einrichtungsassistent und ich war echt verblüfft, wie scharf und tiefschwarz in der Folgezeit die ganzen Einstellprozeduren auf dem Display erscheinen. Es wirkt einerseits, als hätte jemand eine bedruckte Folie auf das Display geklebt, andererseits hat man beim Umschalten der Bildschirme ein wenig einen Effekt wie bei einer analogen Anzeigetafel, nur eben sehr viel feiner und schneller.

Der Registrierungs- und Personalisierungsaufwand war äußerst moderat und sollte auch von Laien problemlos zu meistern sein. Sprache wählen, WLAN-Schlüssel eingeben, Schriftgröße und ähnliche persönliche Einstellungen optimieren. Alles unproblematisch.
So toll, flimmerfrei und augenfreundlich das Display Texte und graustufige Illustrationen auch wiedergibt, man braucht nach wie vor eine externe Lichtquelle, wenn man lesen will. An der abendlichen Leselampe führt also auch weiterhin kein Weg vorbei. Dafür soll das Gerät aber auch bis zu einem Monat ohne erneutes Aufladen verwendbar sein.

Die ersten Bücher landeten schnell auf dem neuen Begleiter und nach den ersten Probeseiten kann ich sagen, dass ich einen Touch-Screen, wie er von einigen Anwendern für den Kindle gefordert und inzwischen auch umgesetzt wurde, bislang nicht vermisse. Das Umblättern erfolgt jeweils mit einem kurzen Tastendruck abseits des Textes und lenkt nicht von der Geschichte ab. Der Rest des Readers lässt sich über ein Steuerkreuz und fünf weitere Tasten an der Unterseite bedienen. Das ist insgesamt sehr übersichtlich und einfach gehalten, sodass der Zweck des Gerätes immer absolut im Mittelpunkt steht.

Einige Gimmicks wie Lesezeichen und das markieren von Textstellen (z.B. Zitate) gestalten sich einfach und übersichtlich.
Auch schön: der Kindle speichert jeweils automatisch, auf welcher Seite man seine E-Books zuletzt verlassen hat, sodass es am nächsten Tag ohne lange Suche weitergehen kann.

Fazit:
Ich habe insgesamt einen guten Ersteindruck vom neuen Spielzeug bekommen und er hat seinen festen Platz neben der Couch bereits eingenommen. In der Zukunft muss sich nun zeigen, inwieweit der Kindle bei mir ständige Benutzung findet und zu einem regelmäßigen Begleiter wird. Ich bin da allerdings guter Dinge.


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