Autor: Martin (Seite 1 von 11)

Die neun Leben des Herrn F. – Herbert Feuerstein

Notiz begonnen am: 31.01.2022 #buch

Autor

Herbert Feuerstein muss man ja nicht mehr so wirklich vorstellen, weswegen ich es auch lasse. Für mich ist er ein Held meiner Jugend in den 90ern, war für mich immer der interessantere Mensch bei Schmidteinander und auch der lustigere, weil auf eine leicht tragische Weise.

Das Buch in 3 Sätzen:

Herbert Feuerstein schreibt über sein Leben. Man erfährt viele Anekdoten aus einem reichhaltigen Medienleben. Man erfährt aber auch viel über die Person, die anarchisch, neurotisch und verschroben ist… oder als solche inszeniert wird.

Eindrücke:

Einfach nur eine unterhaltsame Biografie ist das. Der Mensch Herbert Feuerstein ist mir nicht unsympathisch, obwohl oder gerade weil er so einige unsympathische Seiten hat.

Wer sollte es lesen und warum:

Jeder, der Herbert Feuerstein in Schmidteinander mochte und nicht weiß, was für interessante Sachen er sonst noch alles in seinem Leben gemacht hat

Was habe ich aus dem Buch gelernt:

Einiges über Herbert Feuerstein.

Zitate/Auszüge:

»Sich erinnern heißt erfinden«, hat einmal ein kluger Mensch gesagt. Stimmt.

»Sonst weiß ich nichts mehr von diesem ersten Schuljahr, denn was Sehr gut verläuft, braucht sich das Hirn nicht zu merken.«

Man sagt, dass Angst in der Gemeinschaft leichter erträglich sei. Bei mir ist es umgekehrt: Es ist die Gemeinschaft, die mir Angst macht. Familie, Nachbarschaft, Geselligkeit, Kumpanei lösen Fluchtimpulse aus, Nähe habe ich immer als Bedrohung empfunden, als Kind stärker noch als heute.

»Solange es den Tod gibt, gibt es Hoffnung«, war Theodores Leitspruch

Der Glaube ist für mich das, was das Wort ausdrückt: Hoffnung in Form einer ungesicherten Vermutung und Trost für die menschliche Unfähigkeit, über die Grenzen des Verstandes hinauszublicken.

Fazit:

★★★★☆

Im Testzelt

Am 19.November 2021 erhielt ich meine Boosterimpfung. Am 1.Februar 2022 ging ich mit meiner Tochter in Quarantäne, nachdem die Schulen und KITAs der Politik schon ein paar Wochen lang egal geworden waren und sie folgerichtig einen positiven PCR-Test gewonnen hatte.
Unsere Erstklässlerin brauchte in dieser fiebrigen Woche viel Nähe und was wäre ich für ein Vater, würde ich ihr die aus Vernunftgründen verwehren. Ich verbachte folglich viel Zeit neben unserem kleinen Virenbrutkasten, dem es auch schnell besser ging und vertraute auf meinen Impfschutz. Doch vor Gott und dem Impfschutz sind wir alle gleich.

Am 4.Februar 2022 bekam ich am Abend ein leichtes Kratzen im Hals. Ich machte einen Schnelltest. Negativ, wie die vielen Dutzend anderen Male in den vergangenen zwei Jahren, in denen meine Familie und ich in allen Belangen ihr Bestes gegeben hatten. Am Samstag wachte ich mit einem grippalen Infekt der oberen Atemwege auf, machte aber nicht noch einen Schnelltest, weil, ach wer weiß, geht schon wieder weg. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag hatte ich eine sehr schweißlastige, unruhige Nacht. Vemutlich Fieber, gemessen habe ich nicht. Ich schleppe mich zum Frühstück, gehe danach direkt wieder ins Bett und schlafe in den Nachmittag rein wie so ein Bärtierchen. Danach mache ich doch noch einen Schnelltest, obwohl mir das Ergebnis eigentlich schon vorher klar ist. Der rote Strich im Testfeld ist dicker, als der im Kontrollfeld. Positiv, schöne Scheiße. Bis zu diesem Punkt hatte sich das noch dazu angefühlt wie eine Grippe auf Speed. Fast Forward.

Am heutigen Montag stehe ich Punkt 8:00 Uhr vor dem Testzelt des Gesundheitsamtes im EKZ „Schön konsumieren!“ (Name geändert). Vor Ort fallen mir sofort zwei Dinge auf. Das Test(fest)zelt wird von „Getränke-Stoffler“, dem Haus- und Hoflieferanten meines Vereins gestellt. Ich muss grinsen unter meiner schwarzen FFP2-Maske. Klar, dass ausgerechnet der alte Gauner sich diese lukrative Einnahmequelle unter den Nagel gerissen hat und nicht irgendjemand anderes. Das zweite, was mir ins Auge fällt, ist ein schönmädchenschriftliches Schild, Größe DIN A4, Buntstift, 3farbig in Augenhöhe in einer Scheibe des Baucontainers, der Schaltzentrale dieses Testzeltes:

„Respekt setzt ein gewisses Maß an Intelligenz voraus. Und da fängt das Problem bei einigen ja schon an.“

Offensichtlich hat sich ein solches Schild in den vergangenen Wochen irgendwann als dauerhaft notwendig erwiesen. Ich erhalte das Klemmbrett mit der Nummer 15 von einer Gesundheitsfachkraft, die ihr eigenes Schild offenkundig nicht gelesen hat. Während ich meine persönlichen Daten zur Vorbereitung des amtlichen Schnelltests zu Protokoll bringe, beobachte ich den Rest vom Kundenkreis. Alles Leute, die die Schnelltests offenbar jeden Tag machen. Man kennt sich. Ist eine eingeschworene Gemeinschaft…

»Na und, Renate? Darfste heute auf Arbeit gehn?«
»Dort könnte ich schon lange sein, wenn der ganze Quatsch hier nicht wäre.« (Abwinkgesten)

Ich bin dran, Schnelltest wird gemacht (Nase, ich bin ein paar Mal kurz vorm Niesen), in 15 Minuten soll ich wieder da sein. Ich setze mich so lange ins Auto und höre weiter »Mars Volta«. Als ich wieder aus dem Auto steige, wartet nun schon eine Traube von 20-25 Leuten vor dem Zelt auf ihre temporäre Arbeitserlaubnis. Ich überlege, ob ich da jetzt einfach so durchgehen kann, in meinem Zustand und mache es dann einfach. Habe ja eine FFP2-Maske regelkonform auf der Nase. Kann ja nichts dafür, dass der überwiegende Rest seine Papiermasken mehr oder weniger deutlich unterhalb der Nase trägt.

Als mich die Gesundheitsfachkraft sieht, sagt sie: 
»Ich mache gleich ihre Unterlagen fertig.«, so als würde mir das irgendwas erklären. Meine Nachfrage: »Soll ich da jetzt noch was machen?« kontert sie patzig mit: »Ich habe doch gerade gesagt, dass ich die Unterlagen noch fertigmachen muss!«.

Ich beschließe, etwas abseits zu warten, aber so, dass ich noch gesehen werde. Kurze Zeit später werde ich wieder an die Fensterscheibe zitiert. »Hier, sehen sie. Ihr positiver Schnelltest, aber ich brauche noch ihren Ausweis, ich kann ihre Schrift absolut nicht lesen.« Die umliegenden Personen sehen mich nun die restliche Zeit der Veranstaltung an, wie einen Yeti, mit der Frage im Gesicht: »Wie, die gibt es also wirklich!?«, jedoch verstohlen, so, dass es erst recht auffällt. Aus meinem maximalen Mindestabstand heraus warte ich wieder ab, wie es nun weitergeht und komme mir dabei vor, wie jemand von öffentlichem Interesse… in diesem Mikrokosmos hier.

Die Traube lichtet sich, irgendwann sind scheinbar auch meine Unterlagen fertig. Ich darf ein letztes Mal ans Fenster. Dieses Mal PCR-Test. Dieses Mal Rachen. Dieses Mal muss ich fast brechen, so tief geht es rein mit dem Tupfer. Mit den Worten: 
»Das hier ist ein QR-Code, den scannen sie übermorgen mit der Corona-Warn-App, dann kriegen sie ihr Ergebnis. Nicht heute! Nicht morgen! Übermorgen!«, werde ich zurück in die Quarantäne entlassen… ich bedanke mich.

buch: Das Evangelium der Aale – Patrik Svensson

Notiz erstellt am: 17.01.2022 #buch

Autor

Patrik Svensson ist 1972 geboren, nahe der schwedischen Aalküste aufgewachsen und zumindest im deutschsprachigen Raum so unbekannt, dass es Stand heute (17.01.22) noch nicht mal einen Wikipedia-Eintrag zu ihm gibt. „Das Evangelium der Aale“ (Book of Eels) ist sein erstes Buch und wird in 30 Sprachen übersetzt. Hauptberuflich schreibt er für die schwedische Tageszeitung „Sydsvenskan“ zu den Themen Kultur, Politik und Naturwissenschaften.

Das Buch in 3 Sätzen:

Das Buch ist eine interessante Reise durch die Geschichte der Aalforschung und eine Erklärung, warum der Aal nach wie vor eines der geheimnisvollsten Lebewesen der Welt ist. Gleichzeitig ist es die Biographie einer Vater-Sohn-Beziehung und welche große Rolle der Aal darin spielt. Darauf aufbauend und wie nebenbei werden viele große philosophische Fragen der Menschheit aufgeworfen und ansatzweise beantwortet.

Eindrücke:

Man erfährt erstaunlich interessante Fakten über den Aal, noch erstaunlichere Fakten darüber, welch berühmte Menschen sich schon mit ihm beschäftigt haben (z.B. Aristoteles, Sigmund Freud) und welchen Einfluss der Aal auf Geschichte und Kultur von Ländern und Menschen hatte (z.B. Landung der Mayflower, Nordirlandkonflikt, Kultur der schwedischen Aalküste). Man wird wie nebenbei dazu angehalten, sich anhand des Lebens der Aale mit den großen Fragen der Menschheit auseinanderzusetzen (wer bin ich, woher komme ich, wohin gehe ich, warum bin ich da, wo ich gerade bin). Der Autor beantwortet sie für sein Dasein aus subjektiver Sicht auch ansatzweise. Ein hochinteressantes, wenn man will herausforderndes, aber in jedem Fall sehr lehrreiches Buch. 

Wer sollte es lesen und warum:

Jeder, der von einem zunächst mal tröge erscheinden Thema gut unterhalten werden und dabei Neues lernen will. 

Was habe ich aus dem Buch gelernt:

Das ich bis zum Lesen dieses Buches praktisch nichts über Aale wusste, jetzt aber dafür umso mehr. Das auf der Welt alles miteinander verbunden zu sein scheint, manchmal sogar über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg. Das es sich immer lohnt, sich auch mit Themen zu beschäftigen, die außerhalb des eigenen normalen Alltags liegen, weil man da immer etwas lernen kann und der eigene Horizont breiter wird. In diesem Fall wird man mehr oder weniger anhand des reinen Daseins der Fischart „Europäischer Aal“ mit Teilen der Menschheitsgeschichte und den großen Fragen der Menschheit konfrontiert. 

Zitate/Auszüge:

»Einige der namhaftesten Wissenschaftler in der Geschichte sind an der Aalfrage gescheitert.«

»Es liegt etwas Verlockendes in diesem Grenzland zwischen Glauben und Wissen, wo die Erkenntnis nicht vollkommen ist und deshalb sowohl Fakten als auch Spuren von Mythos und Fantasie enthalten darf.«

»So legt der Gelbaal Hunderte von Kilometern zurück, unermüdlich und unter den widrigsten Bedingungen, bis er plötzlich entscheidet, dass er angekommen ist.«

Fazit:

★★★★☆

Buch: Factfulness – Hans Rosling, Anna Rosling Rönnlund, Ola Rosling , Hans Freundl, Hans-Peter Remmler und Albrecht Schreiber

Notiz erstellt am: 10.01.2022 #buch

Autor

Hans Rosling ist ein Schwede, hat Medizin und Statistik studiert und in seinem Leben auf der ganzen Welt als Arzt und Berater gewirkt. Als Fachmann für die Bewertung von Sachlagen auf der Basis von Statistiken und Fakten hat er immer für faktenbezogene Handeln geworben (Spezialgebiet Internationale Gesundheit). Seine späten Lebensjahre widmete er Vortragsreisen und als Berater zur Internationalen Gesundheit bei großen Institutionen (u.a. TED-Talks, WHO, UNICEF, Klimagipfel in DAVOS, verschiedene Regierungen). Er war also nicht irgendwer, sondern ein international anerkannter Fachmann auf seinem Gebiet. Er ist Gründer von GAPminder.org einer Gesellschaft, die sich um die Aufklärung und Datensammlung hinsichtlich großer globaler Themen verdient macht. Er starb vor Veröffentlichung dieses Buches an Bauchspeicheldrüsenkrebs. 

Das Buch in 3 Sätzen:

Factfulness ist ein Buch, welches vermutlich bei fast jedem Menschen dazu führt, einen besseren, völlig veränderten Blick auf die Welt zu bekommen. Nach dem Lesen kann man auf der Basis von Fakten und unter Vermeidung typischer Fallstricke zukünftig das Weltgeschehen besser bewerten. Anhand von Beispielen zeigen die Autoren auf, wie oft man falsch liegt bei der Beurteilung der Welt und was die Ursachen hierfür sind. Es ist das lehrreichste Buch, das ich seit langer Zeit gelesen habe. Immer wieder wird darin aufgezeigt, wie falsch vor allem die westliche Welt hinsichtlich vieler Annahmen liegt. Dabei werden immer wieder Umfrageergebnisse ins Verhältnis zum reinen Zufall gesetzt (symbolisiert durch Schimpansen, die sich zufällig für eine von 3 Bananen entscheiden), was einen oft Staunen lässt.

Eindrücke:

Das Buch hat mir an vielen Stellen die Augen geöffnet für Fehlannahmen meinerseits. Interessant fand ich auch die Verknüpfung mit tatsächlichen Erfahrungen aus dem reichen Leben des Autors.

Wer sollte es lesen und warum:

Jeder sollte es lesen, weil man das Buch viel schlauer zuklappt und hinterher Werkzeuge zur Hand hat, Nachrichten und die Weltlage besser einschätzen zu können.

Was habe ich aus dem Buch gelernt:

Das Dinge wie Vorurteile und eine überhitzte Nachrichtenwelt zu einer fatalen Fehleinschätzung führen können und nichts zu besseren Schlüssen führt, als eine gute, fundierte Datenlage, Fakten und wissenschaftlich belegte Sachverhalte.

Zitate/Auszüge:

»Gehen Sie davon aus, dass Sie nicht der »Normalfall« sind – und davon, dass die anderen auch keine Idioten sind«

»Es ist sehr aufregend, neugierig zu sein, denn das bedeutet, dass man immer wieder etwas Neues entdeckt.«

»Solange nicht jemand eines Tages ihr globales Wissen auf die Probe stellt, gehen Menschen gewöhnlich davon aus, dass ihre Sicht im Großen und Ganzen zutreffend sei.«

Fazit:

★★★★☆