Menü Schließen

Kategorie: Journal (Seite 1 von 3)

Judith Holofernes // 19.November 2018 // Kassablanca, Jena

Seitdem es „Wir sind Helden“ gibt, mag ich Judith Holofernes. Seitdem sie in diesem Jahr bei „Sing meinen Song“ mitmachte, mag sie auch meine Frau. Meine Hobbyband coverte vor 10, 12 Jahren ein oder zwei Songs von „Wir sind Helden“ und auch in den Folgejahren blieb ich den Tätigkeiten der Frontfrau verbunden. Egal ob Blogs, einzelne Soloprojekte oder die Sachen bei TV Noir. Irgendwie bekam man online immer ein bisschen von ihr mit und fand es manchmal gut, meistens sehr gut aber immer mindestens sympathisch. Es war also an der Zeit für uns zwei, sich die Frau und ihre Band auch endlich mal live anzuschauen.
Wir reisten wohlgenährt an, schließlich hatten wir vor der Show einen Gutschein von Freundinnen bei den „Sushi-Freunden“ in Inside-Out und Outside-Inn-Rolls aller Art umgesetzt (und uns dabei etwas übernommen.)

Ich war, optimistisch geschätzt, dass letzte Mal vor 20 Jahren im Kassablanca, auch meine Frau verbrachte hier eine Zeit lang ihre Jugendwochenenden. So waren wir auch auf den Ort sehr gespannt und konnten beruhigt feststellen, dass sich hier praktisch nichts verändert hat. Nur auf dem schönen Parkplatz von früher steht jetzt ein riesiges Bürogebäude. Das war es dann aber auch schon an Veränderung. Von außen ist das Kassablanca immer noch das jenensische Gegenstück des UT Connewitz in Leipzig, innen ein schöner kleiner Club, kleiner noch, als ich ihn in Erinnerung hatte.

Der letzte Besuch war lange genug her, dass wir den Eingang eine ganze Weile suchen mussten. C. traf direkt an der Garderobe zufällig eine Freundin wieder, die sie seit 13 Jahren nicht gesehen hatte, wir trafen gemeinsame Bekannte aus der Heimat und so vertat sich die Stunde bis zum Konzertbeginn beim Quatschen und dem beobachten von Leuten. So 500 bis 600 werden es wohl gewesen sein, überwiegend weiblich, überwiegend jenseits der 30 würde ich sagen. So war es für viele sicherlich erfreulich, dass die 6-köpfige Band äußerst pünktlich mit dem a cappella Intro von „Ode an die Freude“ auf die Bühne trat. Danach folgten eineinhalb Stunden aus dem Querschnitt des Holofernes‘schen Soloschaffens. Das reicht von nachdenklichen Balladen bis zu scheppernden Popsongs aus dem Flipperautomaten, immer originell betextet in der ihr typischen Art, die oft was assoziationskettenartiges hat und immer auch lyrische Qualität, ohne das die Unterhaltung zu kurz kommt. In der ersten Reihe der Band ist dabei Power angesagt, denn hier stehen drei Frauen. Links die Percussionistin Jarita Freydank, in der Mitte Holofernes, rechts eine Künstlerin namens „Catt“ am Keyboard, die neu dabei ist und mir besonders gefiel. Wirkte sie am Anfang in ihren Bewegungen erst mal wie ein Groupie, das sich auf die Bühne verirrt hat, haute sie musikalisch richtig einen raus und zwar an Keyboard, Trompete, Posaune und den Background-Vocals. Beeindruckend! Die drei Männer an Gitarre, Bass und Schlagzeug halten sich dezent im Hintergrund und in ihrer Zurückgenommenheit damit auch die immer wieder aufploppenden Flippigkeiten der Frauen. Backgroundsänger waren alle mal und zum Schluss, am Ende der zweiten Zugabe gibt es dann auch noch den Headliner des aktuellen Albums „Ich bin das Chaos“. Das hat mir alles gut gefallen.

Oder in andren Worten(, die, glaube ich, von einem Wir sind Helden Album stammen):
„Judith you did it, but you did it jut!“

Phillip Boa, F-Haus Jena

So. Nun, da ich ein Ipad habe, kann ich hier ja auch immer mal wieder schreiben…

Jedenfalls war ich am Freitag bei „Phillip Boa and the Voodooclub“ in Jena im F-Haus und habe festgestellt, wie schön es ist, immer mal auf ein Konzert zu gehen und das man das viel öfter machen müsste. Lustig ist es zwar auch immer ein wenig, wenn sich die Mitfünfziger extra für so ein Konzert noch mal in die Teile ihrer Dark-Wave-Kluft werfen, die noch einigermaßen passen … oder wenigstens ins abgeranzte Projekt-Pitchfork-Shirt. Aber da muss jeder für sich selbst entscheiden.

Natürlich hatte ich auch wieder denjenigen neben mir stehen, der die ganze Zeit laut und falsch mitsingt, wie immer. Auf der Habenseite kann man festhalten, dass es mal wieder schön war, neue Leute kennen zu lernen und über andere Dinge zu reden.

Von allem anderen abgesehen war es natürlich auch ein supergutes, lebendiges Konzert und ich bin ja sowieso der Meinung, dass der Phillip Boa der Jetztzeit der beste aller Zeiten ist … trotz der epischen Hymnen wie „Container Love“ und „Kill your Ideals“ möchte ich das Album „Loyalty“ allen interessierten ans Herz legen.
Weiterhin festhalten muss man, das, egal welche Frau bei ihm singt, es immer die Frau mit der erotischsten Stimme überhaupt ist. Sehr angenehm.

Und zum Schluss gibt es dann noch meinen Konzertausschnitt, der von der offiziellen Boa-Seite auf Instagram geteilt wurde: