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Rerik

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Extra für die Anreise hatte ich ein Netflix-Probeabo abgeschlossen und mein Tablet mit Offline-Daten gefüllt, denn ab einem gewissen Punkt einer Reise sind meine Töchter nur noch mit Medienunterhaltung bei Laune zu halten. Nach der Frühstückspause verkabelte ich also alles, schloss via Weiche zwei Kopfhörer an und startete einen „Bubble Guppies“-Serienmarathon. Keine fünf Minuten nach Beginn der Weiterreise kamen von der Rückbank aber massive Beschwerden, denn das Bild war auf einmal sehr dunkel und der Film würde immer wieder starten und stoppen. Da sich das Problem kurzfristig durch meine Beifahrerin nicht lösen ließ, hielt ich auf dem nächsten Parkplatz, wo dann –natürlich- alles wieder ganz normal funktionierte. Kaum war ich aber wieder auf die Auffahrt der Autobahn gefahren, begann das Gezeter von neuem. Allerdings ein bisschen länger, denn nach einem Autobahnparkplatz kommt für gewöhnlich auch erst mal kein neuer. So hatte mein Hirn, trotz der hohen nervlichen Anspannung, genug Zeit, drauf zu kommen, dass ich ja eine Bluetooth-Tastatur in den Koffer geworfen hatte und diese vermutlich noch mit dem Tablet verbunden war. Nach dieser Erkenntnis und dem Deaktivieren von Bluetooth lief der Rest der Anreise dann wesentlich entspannter.

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In Rerik gibt es nur einen einzigen kleinen Supermarkt, was ich ja für einen Jackpot halte: Edeka-Monopolist in einem Ostseebadeort sein. Dort drin war es eng, denn auf knappem Raum muss dort alles zu kaufen sein, was es in großen Edekas auch gibt. Stellenweise passten keine zwei Einkaufswagen aneinander vorbei. Außerdem war es an diesem Samstag, einem typischen Anreisetag, natürlich auch voll. Als ich vor der Wurst stehe, rollt ein kleiner gelber Ball um die Ecke. Eine wirklich unverständlich bayrisch-redende Familie folgt mit zwei nebeneinander fahrenden Einkaufswagen. Ich reiche den Ball hin, ein kleines Mädchen nimmt ihn. Ein Dankeschön bekomme ich von keinem der Familienmitglieder (soweit ich das erkennen kann). Da stand ich nun. Gute Tat vollbracht, einen Stapel Wurst in der Hand. Platz gemacht, um weitergehen zu können, wird mir nicht. Die Bayern kaufen ein.

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Andere Szene, gleicher Supermarkt. Die Regale hier fassen wenig, müssen also permanent nachgefüllt werden. Die dafür zuständige Chefin weist ihr Gefolge ein: „Habt ihr schon den Sommerspei aufgefüllt?“, fragt sie, da blökt eine schöne blonde Aristokratentochter aus der Kundschaft, Phänotyp „Studentin Internationales Management“, laut dazwischen: „Das heißt /sɒmæzbi/ !!!“. Ich denke: „Pack doch die Regale selber ein, du blöde Kuh“. Was die Sales Managerin of Shelfrefilling ihrem Gesichtsausdruck zufolge denkt, will ich lieber gar nicht erst wissen.
Ich kaufe keinen Somersby, sondern stattdessen regionales Bier, sofern Pilsen und Carlsberg an der Ostsee liegen. Und auch sonst noch so allerlei.

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Rerik ist wirklich schön, vor allem dort, wo wir unsere Unterkunft haben. Weit weg von der kleinen Seebrücke mit all den neu gebauten Attraktionen und den vielen Menschen. Keine 150 Meter und eine Treppe sind es von der Ferienwohnung bis zum naturnahen Strand fernab vom Schuss. Steilküste mit einem kleinen Küstenwald, in dem man schön mit Blick aufs Meer spazieren gehen kann. Aufgrund der Schlafzeiten unserer Töchter sind wir für gewöhnlich die ersten am Strand und haben den dann auch erst mal ein bis zwei Stunden nur für uns alleine. Was auch schön ist. Erst später füllt es sich dort so langsam mit teils nackten, teils angezogenen Rentnern sowie wenigen Familien aus Bayern und Ba-Wü.

Irgendwann an den ersten Tagen schauen wir gespannt einer riesigen Möwe dabei zu, wie sie einen fetten Aal aus dem Wasser holt und sich damit am Strand abmüht. Irgendwann schlingt sie ihn in einem Stück runter, was aber nicht so ganz klappt, weil der Aal so ungefähr 15 cm länger ist, als die zur Verfügung stehende Möwe und nun oben aus der Möwe rausguckt. Nach einer Weile sieht der Vogel das auch ein und würgt das Ding komplett wieder raus.
Das ist der Unterschied zu uns Menschen. Wir hätten das überzählige Ende einfach weiter oben raushängen lassen. Jedenfalls liegt der Aal dann da so am Strand und eine Kinderschar erfreut sich an diesem Anschauungsobjekt.
Während ich noch denke, dass sich wohl bald andere Möwen gemeinsam das Ding vornehmen werden, wickeln die Kinder den Aal in Seetang und das mutigste von ihnen, ein kleines blondes Mädchen, rennt angeekelt damit los und wirft ihn unter dem Gejohle der anderen Kinder in die verdorrten Dünen. Und jetzt weiß ich auch nicht, ob mein Gleichnis noch funktioniert.

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Abends, wenn die Kinder im Bett sind, gehe ich im Urlaub gerne mal ohne konkretes Ziel los und gucke mir alles an. Da kommt dann schon mal ordentlich Strecke zusammen, denn man hat ja an neuen Orten immer viel zu gucken. Oben auf der Steilküste langlaufen und runter aufs Meer schauen ist eine schöne Kombination.

Schön sind auch die Gesprächsfetzen, die man auf dem Weg manchmal einsammelt.
Zum Beispiel vom Großvater, der auf den hysterischen Redeschwall seiner pubertierenden Enkelin, die rein optisch den Cyndi-Lauper-Punk für sich entdeckt hat und hier engagiert die Meinung vertritt, das ja „die Lehrerin voll überreagiert hat“ und „uns voll laut und lange angeschrien“ hat und „sie das ja nun wirklich nicht dürfe“ und „wir konnten da ja gar nichts dafür“ mit einem wissenden, welterfahrenen und diplomatischem „Hmm“ antwortet.

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Eine weitere Urlaubsangewohnheit von mir ist es geworden, Fußballspiele regionaler Mannschaften anzuschauen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Leute, die das professionell betreiben, nennen das wohl Groundhopping. Nun traf hier an einem Abend die Altherrenmannschaft des SV Steilküste Rerik auf die des FSV Kühlungsborn und ich war selbstverständlich mit dabei. Das Publikum ist, am Anlass gemessen, nicht so klein und abgesehen von mir ausschließlich einheimisch. Da hat man auch auf einmal nicht mehr das Gefühl, in einem Urlaubsort zu sein. Der Fußballplatz als Trutzburg der Dorfgemeinschaft. In der Kreisliga auf dem Fußballplatz ist es irgendwo sowieso überall gleich. Ältere Herren fachsimpeln mit einem Bier in der Hand über den Spielverlauf, Spielerfrauen führen toleranzbedürftige Spielerfrauengespräche, ohne aufs Spiel zu achten, ihre Kinder spielen sich hinter den Toren Bälle zu oder prügeln sich.

Generell habe ich mich ja schon immer mal gefragt, wie es wohl ist, in einem 2.000-Einwohner-Dorf zu leben, das im Sommer von zehntausenden auswärtigen Touristen überfallen wird. Hier, bei diesem Spiel, vermute ich, dass das auch nicht großartig anders ist. Man lebt so seinen Alltag an den Touris vorbei und freut sich, dass man mehr Infrastruktur und Arbeitsangebote als die meisten anderen Dörfer in Meck-Pomm hat. Aber das ist vielleicht nur mein Eindruck. Am Ende ist Rerik mit der 0:6-Niederlage noch gut bedient, das Spiel wurde aber beidseitig sehr fair geführt. Ich verlasse den Sportplatz und treffe gleich vor dem Eingang wieder auf eine Dame, die mit der einen Hand ihren weißen Riesenpudel an der Leine und mit der anderen dessen Kacke in einem Beutel hält. Zurück im Urlaub.

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An unserem zweiten Samstag sind wir auch am Strand, kurz vor Abendrot. Da kommt ein sehr hip gekleidetes, junges Instagram-Pärchen die Steilküstentreppe runter, läuft direkt zum Wasser, wirft sich routiniert-angeschmiegt stehend und professionell lächelnd vor die untergehende Sonne, schießt ein paar Selfies und geht anschließend unverzüglich wieder mit Regenwettergesichtern zur Treppe hoch. Darüber habe ich dann noch eine Weile nachgedacht. Im Liegen, während das Meer rauschte.

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Am vorletzten Urlaubstag war ich im benachbarten Kühlungsborn, weil man dort auf Kurtaxe das Konzert einer Depeche-Mode-Coverband im Konzertgarten anschauen konnte. Nicht ganz unbescheiden wurde sie auch noch als eine der besten Coverbands Deutschlands angekündigt. Schon vor dem Konzert begann es zu regnen, was sich dann während des Konzertes zu einem stürmischen Wolkenbruch mit waagerechtem Regen entwickelte. Das Konzert blieb, gemessen daran, dennoch gut besucht. Schon erstaunlich, was für hartnäckige Fans diese Band hat, selbst wenn sie nur von (zugegebenermaßen guten) Nachmachern imitiert wird.

Mit der Zugabe verlasse ich den Konzertgarten und tapse, gegen den Sturm gelehnt, zum Strand. Der wird da gerade zu zwei Dritteln vom hochfrequenten Wellengang gefressen. Sie reichen bis wenige Meter vor die erste Reihe Strandkörbe. Ich gehe den Strand entlang bis vor die schöne Fassade des Hotels „Hansahaus“ und rauche, vor dem peitschenden Regen durch einen der Strandkörbe geschützt, meine letzte Zigarette. Das hatte ich der Tochter vor einigen Tagen im Erdbeerhof zum 6.Geburtstag versprochen und mir für diesen Abend so vorgenommen. Für das Wetter kann ja keiner was. Bis jetzt halte ich das Versprechen mit Erfolg.

Neues Handy: Huawei P20 Pro

Smartphones sind mir in den letzten Jahren immer unwichtiger geworden. Das was meine Handys können mussten, konnten im Prinzip alle. 80% der Leistung hingen die meiste Zeit ungenutzt in der Luft rum.

Deswegen kaufte ich mir vor knapp zwei Jahren ein Oneplus 3t , weil es für meine Bedürfnisse das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bot. Ich hätte es bis zum totalen Exodus behalten, wäre da nicht irgendwann in den vergangenen Monaten das Huawei P20 Pro in meinem Feed-Reader aufgetaucht. Es versprach alles, was mein aktuelles Handy noch nicht hatte:

  • eine echte Alltagskamera, die was taugt und vor allem auch im Dunkeln sehr gute Fotos machen kann, nochmal:
  • eine echte Alltagskamera, die was taugt und vor allem auch im Dunkeln sehr gut kann
  • einen Infrarot-Sensor, den man als Fernbedienung für TV&Co benutzen kann
  • eine sehr sehr gute Handykamera
  • eine unglaublich gute Akkulaufzeit
  • einen riesigen internen Speicher
  • die Möglichkeit, es an einen Fernseher anzuschließen, inklusive Desktop-PC-Modus

Ansonsten kann es alles, was mein bisheriges Handy auch schon konnte. Man findet es im Internet aktuell gut 350,-€ unter dem Einführungspreis und damit nicht weit weg vom Oneplus 6 zum Beispiel. Ich habe es gekauft. Für den Moment bin ich sehr zufrieden. Ich werde es bis zum totalen Exodus behalten. Da bin ich mir sicher … für den Moment.