Bis vor kurzem war ich ein Pebble 1-Nutzer. Dann bekam das Display eine schlimme Macke, das ehemals vielversprechende Kickstarter-Unternehmen ging halbwegs den Bach runter und überhaupt sah die ja nun nie aus wie ein schönes Hightech-Gadget, sondern eher so wie der Jackpot aus einem Kaugummiautomaten. Ich machte mich also auf die Suche nach was Neuem, nahm jedoch gleich wieder Abstand davon, als ich die Preise aktueller, brauchbarer Smartwatches las.

Dann fiel mir das YPS-Heft für technikbegeisterte Erwachsene ein: China. Ich wagte wieder mal eine Direktbestellung über eine dieser ominösen Seiten, was ja immer ein sehr spannender Vorgang ist:

Werde ich meine Bestellung überhaupt bekommen?

Nach wie vielen Wochen werde ich meine Bestellung bekommen?
Wird der Zoll mich dazu zwingen, einen Aufschlag zu bezahlen?
Bekomme ich Schrott geliefert oder ein echtes Highlight?

Der Unterhaltungswert ist nicht zu verachten und das finanzielle Risiko hält sich meist in gerade noch akzeptablen Grenzen. Meine Recherchen ergaben, dass man dort Fitnesstracker mit Zeit- und Schrittanzeige schon ab umgerechnet 11,-€ bekommen kann und gewöhnliche Smartwatches so ab 20,-€, meine Wahl fiel aber auf eine „No1 D5+“.
Vom Papier her klang das wie die Agentenuhr, von der ich als Kind immer geträumt hatte. Für einen Preis in Höhe von 91,-€ sollte man hier ein vollwertiges Handy mit Android 5.1 am Handgelenk erhalten. Dazu sah die auch noch aus wie eine richtige Uhr, mit einem runden Gehäuse aus Edelstahl und schwarzem Lederarmband. Ich war zugegebenermaßen in freudiger Erwartung. Ich sah mich gedanklich schon ins Handgelenk sprechen, um meinem Auto den Turboboost zu befehlen

Die Uhr konnte auch wirklich alles, was ich mir von ihr erhoffte. Sie war ein faszinierendes Spielzeug mit super Support bei YouTube und einem schicken Display, alles funktionierte gut. Ich konnte nur mit der Uhr bewaffnet joggen gehen, dabei mit Strava und GPS meinen Lauf tracken und gleichzeitig per Bluetooth Spotify auf die Kopfhörer streamen. Nur mal als Beispiel. Die ganzen Standards wie Nachrichten anzeigen usw. gingen sowieso. Puls messen als Gimmick und hunderte Watchfaces im Netz. Da ein echtes Android drauf war und kein Android Wear sahen die Apps manchmal komisch aus und man kam nicht immer gleich an alle Knöpfe, aber das stört einen Geek nicht weiter. Ich war im Grunde zufrieden.

Wäre da nicht der Akku, der gerade mal einen knappen Arbeitstag lang hielt und da schon im Energiesparmodus war. Damit kam ich nicht klar, zumal ich von der Pebble eine Woche Laufzeit gewohnt war. Das war der Hauptgrund, warum ich das Ding schon nach zwei Tagen bei Ebay reinsetzte und mit Gewinn verkaufte. Nach dieser Erfahrung finde ich es umso bedauerlicher, dass es Pebble nicht mehr gibt. In Sachen Einfachheit, Akku, Unterstützung durch Drittanbieter und Leistungsumfang war das für mich die perfekte Smartwatch. Etwas ähnliches in einem schönen Gehäuse und mit GPS, ich würde es sofort kaufen.

Bis dahin muss es erst mal eine normale Armbanduhr tun.